You are here: Home » News » Aktuell: Italienische Bio-Siegel in die Tonne?

Aktuell: Italienische Bio-Siegel in die Tonne?

Zwei der unterwanderten Siegel (Quelle: bio-siegel.de)

Zurzeit ist es in allen Nachrichten und Zeitungen zu lesen und sehen:
Die italienischen Bio-Prüfsiegel wurden unterwandert. Es wird bereits von einer Bio-Mafia gesprochen. Doch wie schlimm ist es denn nun wirklich?

Firmen wie Sunny Land, Bioecoitalia und Sona stehen unter Verdacht, an einem Bio-Etiketten-Schwindel beteiligt gewesen zu sein. Doch wie genau lief das ab? – Bislang wird vermutet, dass normale Nicht-Bio-Lebensmittel von Italien unter anderem nach Rumänien exportiert wurden, dort mit einem Bio-Label versehen und wieder zurück nach Italien geschafft, um dann über diverse Zwischenhändler als Bio-Ware nach ganz Europa verkauft zu werden.

Das Problem an der Sache: Italien ist der größte Bio-Produzent in Europa (lt. italienischem Bio-Verband AIAB). Schätzungen sprechen davon, dass die Betrüger über Jahre fast eine Million Tonnen gefälschte Bio-Produkte umgeschlagen hätten; im Gesamtwert von über 200 Millionen Euro! Täglich gelangten und gelangen wohl noch unzählige Tonnen an scheinbaren Bio-Lebensmitteln auch auf deutsche Märkte.

Laut EU-Verordnung 834/2007 (Volltext als PDF, hier) obliegt es jedem EU-Mitgliedsstaat selbst, die Kontrollen durchzuführen und die Zertifikate zu vergeben. Das Bio-Label ist also eine rein nationale Angelegenheit und variiert dadurch in einigen Staaten extrem. Beispielsweise ist die deutsche Bio-Industrie durchaus als gut zu bewerten und Vorgänge, wie sie nun in Italien aufgedeckt wurden, sind beim deutschen Kontrollsystem unwahrscheinlicher.

Doch besteht „Gefahr“ für deutsche Kunden? Eigentlich nicht – doch eigentlich ist ein dehnbarer Begriff. Panisch sollte erst einmal keiner werden: In zurückliegenden Lebensmittelkrisen ging es um Krankheiten, die direkt auf den Menschen übertragen werden konnten. Zwar ist nicht sicher, wie schädlich die gefälschten „Bio“-Lebensmittel vielleicht waren, doch sehen Behörden und Organisationen keine direkte Gefahr für die Gesundheit.
Das Bio-Prüfsiegel sagt lediglich aus, unter welchen Bedingungen das Lebensmittel entstand; etwa artgerechte oder naturbelassene Haltung bei Tieren. Der Skandal in Italien rührt vornehmlich aus reiner Profitgier der Beteiligten, die billige normale Lebensmittel als hochwertige teure Bio-Lebensmittel verkaufen wollten.
Ärgerlich und vertrauenerschütternd sind derartige Meldungen dennoch.

Weitere Infos und Hintergründe findet ihr auf den folgenden Nachrichtenseiten:

Aus aktuellem Anlass haben wir auch auf unserer Facebook-Seite das Thema angeschnitten. Ihr seid herzlich zum Diskutieren eingeladen.

Christian Allner

Christian Allner

Schrift-Architekt bei Schrift-Architekt.de
Social Media und Web 2.0 verändern unsere Welt: Wir kommunizieren über soziale Netzwerke und suchen im Semantic Web. Wir entdecken das Internet der Dinge und kaufen online. Doch was wollen wir wirklich?

Bei Schrift-Architekt Christian Allner erhalten Sie maßgeschneiderte Dienstleistungen zu Social Media, Seminare zu digitalen Themen und Übersetzungen.
Christian Allner

2 Comments

  1. Es ist doch immer wieder schrecklich wo überall Etiketten falsch gedruckt werden. Besonders bei Lebensmitteln ist es sehr wichtig das man dem aufgedruckten Etikett auch wirklich vertrauen kann. Wenn tatsächlich minderwertige Lebensmittel als hochwertige Bio-Lebensmittel verkauft werden und dazu über mehrere Grenzen verschickt werden müssen dann wirkt sich das doch auch noch negativ auf die Haltbarkeit aus.

    • Danke für den konstruktiven Beitrag, Eduard! 🙂

      Aus meiner (eigenen und völlig subjektiven persönlichen) Sicht ist das Problem ja weniger das Etikett selbst als vielmehr das eigentliche Gesetz. Denn es hat sich ja bewiesen, dass ein nationaler Standard für „Bio“ extrem leicht ausgenutzt werden kann.
      Es erinnert mich an das Problem mit dem Devisenhandel – also dem Markt, in dem mit nationalen Geldwährungen gehandelt wird. Da fanden sich auch schwarze Schafe, die sich kleine Wert-Schwankungen zunutze machten, um so Millionen zu verdienen. Alles in einer moralischen und gesetzlichen Grauzone.

      Es bleibt nur zu hoffen, dass die EU-Oberen in Brüssel bald einen einheitlichen Standard für Bio festlegen. Gerade in Zukunft wird nämlich genau so etwas sehr wichtig werden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Connect with Facebook