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Was sind eigentlich … Konfliktmineralien?

Wolframabbauf in Kasai, DR Kongo.

Wolframabbauf in Kasai, DR Kongo. (c)flickr

Seit Jahren tobt in Zentralafrika einer der tödlichsten Konflikte seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Kongokriege (v.a. der Zweite Kongokrieg, 1998-2003) forderten bislang über 5 Millionen Tote.
Diese blutigen Kämpfe, die heute noch schwelen, werden um Rohstoffe geführt.

Wolfram, Gold, Koltan, Zinn und andere sind der Grund für millionenfachen Mord. Viele der rohstoffreichen Minen liegen in abgelegenen Gegenden, in denen die kongolesische Regierung keinen Zugriff hat. Banden und Syndikate beherrschen viele dieser Gebiete und rauben auch häufig die Minen aus. Doch auch Regierungsstellen bedienen sich freigiebig.
Das ENOUGHproject hat hierzu vor einigen Jahren ein tolles Aufklärungsvideo gemacht:


Link hier.

In Folge der Finanzkrise hat der US-Kongress am 15. Juli 2010 das so genannte „Wall Street Reform Act“ erlassen. Die US Securities and Exchange Commission soll von allen Unternehmen informiert, woher diese ihr Zinn, Wolfram, Tantal oder Gold beziehen und inwiefern sie mit Minen im Kongo oder benachbarten Staaten zu tun hatten. Dies soll helfen, den Zufluss zu kontrollieren und damit auch der heimischen Wirtschaft zu nutzen. Die Erfolge bleiben bislang noch aus.

In einer Studie der Southern Africa Resource Watch von November 2012 kam man nämlich zum Schluss, dass trotz eines angeblichen Goldrausches im Kongogebiet die dortige Bevölkerung weiterhin in leidiger Armut leben muss.
Nicht nur der Bandenterror, sondern sogar die offizielle Regierung macht es den Einwohnern schwer, denn korrupte Beamte fordern erfundene Gebühren oder Steuern. Dadurch werden die Menschen noch ärmer.

Wolfram Grube Mine Kailo Afrika

Eine Wolfram-Mine in der Maniema-Provinz, DR Kongo. (c)flickr

Dieser Leidenskreislauf kann nicht sofort durchbrochen werden. Gesellschaftliche Änderungen, eine stabile Regierung und rechtmäßig entlohnte Arbeit können den Konflikt auch erst beenden, wenn die großen Industrie-Unternehmen es fordern.

Denn die Elektronikfirmen und ihre Zulieferer sind die Hauptabnehmer. Dabei ist es egal, ob sie europäisch, amerikanische oder chinesisch sind.
Erst wenn die Gewaltanwender merken, dass sie mit ihren bisherigen Methoden bei den Konzernen kein Geld mehr verdienen können, wird sich etwas ändern.

(Quellen: Wikipedia: Conflict minerals, mdsystem.com, conflict-minerals.com)

Christian Allner

Christian Allner

Schrift-Architekt bei Schrift-Architekt.de
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Christian Allner

10 Comments

  1. Traurig, dass der Mensch zu Erreichung seiner Ziele gern über Leichen geht. Manchmal schäme ich mich echt für unsere Art!

    • Man kann etwas dagegen tun: Bewusster kaufen und „Sklavenprodukte“ möglichst meiden (siehe auch unser Artikel zum Slavery-Footprint).

      Für dieses bewusstere Einkaufen stehen Shops wie Vireo – nachhaltiger Handel, solide Bezahlung und faire Preise für alle Beteiligten. Natürlich können auch wir nur eine Kleinigkeit beitragen, solche Szenarien zu verändern – aber es sind ja häufig die kleinen Dinge im Leben, welche die größte Wirkung haben können. Ich hänge der Fantasie nach, dass sich die Lage bessern wird, wenn kein Mensch mehr Konfliktmineralien kaufen will bzw. nur noch zu fairen Konditionen. 🙂

  2. Pingback: Highscore und Nachhaltigkeit: Grüne Gamer und die Umwelt | Umwelt blog
  3. Guter Beitrag! da stimme ich völlig zu. Alles ist in den Händen der großen Konzernen. Vielleicht noch eine Maßnahme wird hilfreich: Bis Ende 2015 soll 80 Prozent der Produktion von Konfliktmineralien von deutscher Seite zertifiziert sein. Damit könnten deutsche Unternehmen die Vorgaben des Dodd-Frank-Acts erfüllen, wenn sie Konfliktmineralien aus solchen Minen einkaufen. Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/produktion-technologie/dodd-frank-act-zinn-mine-im-kongo-zertifiziert/

    • Danke für die lieben Worte, Chill! Wir unterstützen die Zertifizierung und Überprüfbarkeit der Quellen. Toll, dass andere inzwischen auch so denken. 🙂

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